
1. Kurze Beschreibung der Methode
Reframing ist eine Kreativitätstechnik, die hilft, eine Situation, ein Problem oder eine Idee aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten.
Indem der „Rahmen“ (Frame) einer Wahrnehmung verändert wird, entstehen neue Bedeutungen und Lösungsansätze.
Ziel ist es, eingefahrene Denkweisen aufzubrechen und kreative Alternativen zu entdecken.
2. Entstehungsgeschichte der Technik
Die Ursprünge des Reframings liegen in der Kommunikations- und Systemtheorie der 1950er-Jahre, insbesondere bei Gregory Bateson.
In den 1970er-Jahren entwickelten Richard Bandler und John Grinder das Konzept im Rahmen des Neuro-Linguistischen Programmierens (NLP) weiter.
Auch Paul Watzlawick trug wesentlich zur Verbreitung bei, indem er das Reframing als Instrument der Wahrnehmungsveränderung in der Psychotherapie beschrieb.
Später fand die Methode Eingang in das Kreativitäts- und Innovationsmanagement.
3. Hintergrund und Kontext der Methode
Das Reframing basiert auf der Annahme, dass Probleme häufig nicht durch die Realität selbst, sondern durch unsere Interpretation und Bewertung entstehen.
Indem man diese Bewertung verändert, eröffnen sich neue Handlungsmöglichkeiten.
Im kreativen Denken dient Reframing dazu, Perspektivenwechsel systematisch zu fördern und eingefahrene Sichtweisen zu hinterfragen.
4. Ziel der Methode
Das Hauptziel ist, eingeschränkte Sichtweisen zu erweitern und eine neue Bedeutungsebene zu schaffen.
Dadurch lassen sich Hindernisse auflösen, Chancen erkennen und innovative Lösungen entwickeln.
5. Grundprinzip der Methode
Reframing funktioniert, indem man einer Situation einen neuen Kontext („Frame“) oder eine neue Bedeutung gibt.
Es gibt zwei Hauptformen:
- Kontext-Reframing: Das Problem wird in einen anderen Zusammenhang gestellt („Wann könnte dieses Verhalten sinnvoll sein?“).
- Bedeutungs-Reframing: Die Bewertung einer Tatsache wird verändert („Was könnte positiv an dieser Eigenschaft sein?“).
Beide Varianten fördern flexibles Denken und kreative Neudefinitionen.
6. Anwendungsbereiche der Methode
- Persönlichkeitsentwicklung und Coaching
- Kreativitäts- und Innovationsprozesse
- Teamarbeit und Konfliktlösung
- Change-Management
- Werbung und Storytelling
- Pädagogik und Kommunikationstraining
7. Eignung der Methode
- Ideenfindung: Ja
- Problemlösung: Ja
- Entscheidungsfindung: Bedingt (indirekt durch neue Perspektiven)
8. Dauer der Anwendung
- Einfache Reframing-Übung: 10–20 Minuten
- Workshop-Format oder Teamprozess: 30–90 Minuten
9. Empfohlene Teilnehmerzahl
- Einzelarbeit: 1 Person
- Gruppenarbeit: 3–8 Personen (idealerweise mit Moderator)
10. Benötigte Materialien und Umgebung
- Moderationskarten oder Notizzettel
- Whiteboard oder Flipchart
- Stifte und Marker
- Ruhige Umgebung, die Perspektivwechsel zulässt
11. Zu beachtende Regeln bei der Anwendung
- Kein Urteil über Vorschläge in der Ideenphase.
- Offenheit für unkonventionelle Sichtweisen.
- Humor und Experimentierfreude fördern.
- Reframing nie zur Manipulation, sondern zur Erkenntnis nutzen.
- Alle neuen Deutungen prüfen, bevor sie übernommen werden.
12. Vorteile der Methode
- Fördert Empathie und Perspektivwechsel.
- Baut mentale Barrieren ab.
- Lässt sich leicht mit anderen Methoden kombinieren (z. B. 6 Thinking Hats, Brainstorming).
- Wirkt schnell und intuitiv.
- Unterstützt lösungsorientiertes Denken.
13. Nachteile der Methode
- Erfordert Übung und Selbstreflexion.
- Gefahr oberflächlicher oder zu positiver Umdeutung.
- Nicht alle Probleme sind durch Perspektivwechsel lösbar.
- In Gruppen kann Skepsis oder Widerstand auftreten.
14. Ausführliche Beschreibung der Methode
Reframing ist ein mentaler Perspektivwechsel, bei dem eine Situation in einen neuen Bedeutungsrahmen gestellt wird.
Menschen interpretieren Ereignisse durch sogenannte mentale „Frames“. Diese bestimmen, was wir als Problem oder Chance wahrnehmen.
Durch bewusstes Neurahmen kann man eine zunächst negative oder limitierende Sichtweise in eine produktive, lösungsorientierte Perspektive verwandeln.
Beispiel:
Ein Team empfindet ständige Rückfragen eines Kunden als störend.
Durch Reframing wird diese Eigenschaft als Zeichen von Engagement und Qualitätsbewusstsein interpretiert.
Dadurch entsteht nicht Frust, sondern eine neue Idee: „Wie können wir dieses Interesse nutzen, um den Kunden stärker einzubinden?“
Im kreativen Prozess wirkt Reframing als Katalysator, um Denkmuster zu durchbrechen.
Es kann als eigenständige Technik eingesetzt oder in andere Methoden integriert werden (z. B. Walt-Disney-Methode, Design Thinking).
Ziel ist stets, alternative Sichtweisen zu aktivieren, die neue Handlungsoptionen eröffnen.
15. Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Anwendung
- Problem oder Aussage formulieren: „Was stört uns?“ oder „Was ist schwierig?“
- Frame identifizieren: Welche Sichtweise oder Bewertung liegt derzeit zugrunde?
- Neuen Kontext suchen: In welchem Umfeld wäre dieses Verhalten oder Problem sinnvoll oder positiv?
- Neue Bedeutung formulieren: Welche andere Interpretation wäre möglich?
- Ergebnisse prüfen: Welche Reframes führen zu konstruktiven Ideen oder Lösungen?
- Handlung ableiten: Wähle den Reframe mit dem größten Nutzen und setze ihn um.
16. Anwendungsbeispiel 1 (praktische Durchführung)
Thema: Mitarbeiter kommt häufig zu spät.
- Alter Frame: Unzuverlässigkeit, mangelnde Disziplin.
- Neuer Frame: Hohe Flexibilität, arbeitet oft bis spät abends.
- Lösung: Einführung eines Gleitzeitsystems mit klaren Kommunikationsregeln.
Ergebnis: Konflikte reduzieren sich, Produktivität steigt.
17. Anwendungsbeispiel 2 (praktische Durchführung)
Thema: Produktidee wurde von Kunden abgelehnt.
- Alter Frame: „Das Produkt war ein Fehlschlag.“
- Neuer Frame: „Wir haben wertvolle Einblicke in Kundenbedürfnisse gewonnen.“
- Lösung: Anpassung der Produktstrategie basierend auf Feedback.
Ergebnis: Neues, erfolgreicheres Produktdesign entsteht.
18. Fazit und abschließende Bewertung
Die Reframing-Methode ist ein wirkungsvolles Werkzeug zur Erweiterung der Wahrnehmung und zur Förderung kreativen Denkens.
Sie verbindet psychologische Erkenntnisse mit praktischer Anwendbarkeit und ist besonders nützlich, um Denkblockaden zu lösen oder negative Situationen konstruktiv umzudeuten.
Ob in Coaching, Teamarbeit oder Innovation – Reframing ermöglicht, neue Bedeutungen zu entdecken und handlungsfähig zu bleiben.
Ihr größter Wert liegt darin, dass sie den Wandel der Perspektive zu einer bewussten, steuerbaren Denkstrategie macht – eine Schlüsselkompetenz für kreatives und lösungsorientiertes Denken.
Quellenliste
- Bateson, Gregory (1955): Steps to an Ecology of Mind. University of Chicago Press.
- Watzlawick, Paul (1976): Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Piper Verlag.
- Bandler, Richard & Grinder, John (1979): Reframing: Neuro-Linguistic Programming and the Transformation of Meaning. Real People Press.
- de Bono, Edward (1992): Serious Creativity. HarperBusiness.
- MindTools (2024): Reframing Techniques in Creative Problem Solving. https://www.mindtools.com


Schreibe einen Kommentar