Collective-Notebook

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Collective-Notebook

1. Kurze Beschreibung der Methode

Die Collective-Notebook-Methode ist eine Kreativitätstechnik, bei der Teilnehmende unabhängig voneinander über einen bestimmten Zeitraum hinweg Ideen in einem gemeinsamen Notizbuch sammeln und diese anschließend gemeinsam auswerten. Anders als klassisches Brainstorming arbeiten die Beteiligten nicht zur gleichen Zeit am selben Ort, sondern tragen Gedanken asynchron zusammen.

2. Entstehungsgeschichte der Technik (Personen, Organisationen, Jahreszahlen)

Die Methode wird in mehreren Quellen John Haefele zugeschrieben, der sie im Umfeld von Procter & Gamble entwickelte. Später wird Charles Hutchison Clark als weiterer Beitragender genannt. Konkrete Jahreszahlen variieren – häufig wird ein Zeitraum der 1960er bis 1970er Jahre angegeben.

3. Hintergrund und Kontext der Methode

Die Methode entstand in Situationen, in denen Gruppen von Expertinnen und Experten nicht gemeinsam zeitgleich an einem Ort Ideen entwickeln konnten – z. B. wegen unterschiedlicher Dienstzeiten, geografischer Trennung oder Arbeitsrhythmen. Sie greift das Prinzip des Brainwriting auf und erweitert es auf einen längeren Zeitraum und eine asynchrone Arbeitsform. Dadurch werden auch kreative Impulse „zwischendurch“ nutzbar, etwa beim Spaziergang oder in Ruhephasen.

4. Ziel der Methode

Ziel ist es, eine kontinuierliche Ideensammlung zu ermöglichen, in der Einzelpersonen unabhängig voneinander spontane Gedanken einbringen können, um diese später gemeinsam zu strukturieren und weiterzuentwickeln. So entsteht eine größere Vielfalt an Ideen und Perspektiven, ohne den Druck einer simultanen Gruppenmoderation.

5. Grundprinzip der Methode

Das Grundprinzip lautet: Ein gemeinsames Notizbuch (oder digitale Variante) wird für einen festgelegten Zeitraum im Umlauf verwendet. Die Teilnehmenden tragen darin ihre Gedanken zur Fragestellung ein, wann und wo sie möchten. Anschließend wird das Buch gesammelt und in einer gemeinsamen Sitzung ausgewertet, sodass Ideen zusammengeführt, kombiniert und weiterentwickelt werden.

6. Anwendungsbereiche der Methode

  • Ideenfindung über längere Zeiträume, z. B. Innovationsprozesse
  • Beteiligung von dezentral arbeitenden Teams oder Fachleuten mit unterschiedlichem Zeitrhythmus
  • Kreative Vor- und Nachbereitung zu Workshops oder Brainstorming-Sessions
  • Sammlung von Impulsen auch außerhalb formeller Sitzungstermine, z. B. im Alltag oder bei Feldarbeit

7. Eignung der Methode

  • Ideenfindung: Ja
  • Problemlösung: Ja (insbesondere wenn viele Impulse gesammelt werden sollen)
  • Entscheidungsfindung: Nein (nicht primär auf Auswahl oder Bewertung ausgelegt, sondern auf Sammlung und Weiterentwicklung)

8. Dauer der Anwendung

Die Methode eignet sich über einen Zeitraum von ca. 2 bis 4 Wochen, je nach Aufgabenstellung und Beteiligung. Kürzere Varianten (z. B. eine Woche) sind möglich, wenn der Zeitrahmen enger ist.

9. Empfohlene Teilnehmerzahl

  • Minimal: 2 Personen – damit ein Austausch-Effekt entsteht.
  • Optimal: 5–15 Personen, um ausreichend Vielfalt zu gewährleisten, ohne Übersicht zu verlieren.
  • Größere Gruppen sind möglich, erfordern jedoch Organisation und Koordination.

10. Benötigte Materialien und Umgebung

  • Ein gemeinsames Notizbuch oder mehrere Exemplare (physisch oder digital)
  • Schreibmaterial (Stifte, ggf. Marker), für digitale Variante ggf. Kollaborationstool
  • Diskrete Aufgabe oder Fragestellung mit Beschreibung im Notizbuch
  • Regelmäßiger Zugriff auf das Notizbuch durch alle Teilnehmenden
  • Raum bzw. Plattform zur späteren gemeinsamen Auswertung

11. Zu beachtende Regeln bei der Anwendung

  • Die Fragestellung sollte offen formuliert und klar beschrieben sein.
  • Teilnehmende dürfen jederzeit Einträge vornehmen – möglichst ohne Bewertung oder Selbstzensur.
  • Das Notizbuch wird regelmäßig weitergegeben oder zugänglich gemacht.
  • Während der Sammlung keine Kritik an Einträgen – Bewertung erst nach Abschluss.
  • Am Ende folgt eine gemeinsame Session zur Auswertung der gesammelten Ideen.
  • Dokumentation und Weiterleitung der Ergebnisse muss sichergestellt sein.

12. Vorteile der Methode

  • Nutzung von spontanen Einfällen über längere Zeit hinweg – auch außerhalb formeller Sitzungen.
  • Keine simultane Gruppenpräsenz nötig – große Flexibilität im Zeit- und Raumbezug.
  • Teilnehmende beeinflussen sich weniger gegenseitig – vielfältigere Impulse.
  • Gut geeignet, wenn Expertinnen und Experten dezentral arbeiten oder unterschiedliche Zeiten haben.
  • Niedrige Einstiegshürde – kann mit einfachen Materialien durchgeführt werden.

13. Nachteile der Methode

  • Langwieriger Zeitrahmen – Ergebnisse oft erst nach Wochen verfügbar.
  • Weniger Dynamik und Interaktion als bei synchronen Gruppenworkshops.
  • Gefahr des Verzettelns oder vieler unverarbeiteter Einträge ohne Auswertung.
  • Moderations- und Zusammenführungsaufwand bei großer Anzahl von Einträgen.
  • Ohne klare Fragestellung oder Organisation kann Qualität und Fokus leiden.

14. Ausführliche Beschreibung der Methode

Die Collective-Notebook-Methode ist eine asynchrone Variante des Brainwriting, bei der Teilnehmende über einen längeren Zeitraum in einem gemeinsamen Notizbuch ihre Gedanken zur gestellten Fragestellung sammeln. Anders als klassische Ideensitzungen, bei denen alle gleichzeitig zusammenkommen, erlaubt diese Methode einen flexiblen Zugang: Mitarbeitende können Einträge einbringen, wenn sie gerade Zeit haben oder inspiriert sind – etwa während einer Pause, beim Pendeln oder in einem ruhigen Moment. Zu Beginn wird ein Notizbuch vorbereitet: In den ersten Seiten wird die Aufgabenstellung klar beschrieben, der Zeitraum definiert und ggf. Hinweise zur Gestaltung der Einträge gegeben (z. B. „notiere heute eine neue Idee“).

Während der Sammlung wird das Notizbuch regelmäßig zwischen den Teilnehmenden weitergegeben oder über eine digitale Plattform zugänglich gemacht, sodass jeder Einsicht und Erweiterung vornehmen kann. Dieser Wechsel kann täglich, wöchentlich oder nach frei vereinbartem Rhythmus erfolgen. Teilnehmende machen notieren, ergänzen oder kommentieren Gedanken anderer Kolleginnen und Kollegen, wenn gewünscht. Der Prozess läuft typischerweise über zwei bis vier Wochen, was eine tiefere Reflexion ermöglicht und kreativen „Inkubationsraum“ schafft.

Am Ende der Ideensammlung wird das Notizbuch geturnt oder digital zusammengeführt. In einer moderierten Sitzung werden die Einträge gesichtet, kategorisiert und ausgewertet: Welche Ideen sind besonders aussichtsreich? Welche Muster sind erkennbar? Welche Einträge liefern neue Blickwinkel? Anschließend werden die besten Ansätze zur weiteren Bearbeitung ausgewählt und in Arbeitsgruppen oder Workshops weitergeführt.

Der große Vorteil dieser Methode liegt darin, dass sie unabhängig von Präsenzzeiten funktioniert und kreative Gedanken unterwegs oder außerhalb von Sitzungen erlaubt – ideal für verteilte Teams oder zur Nachbereitung spontaner Einfälle. Allerdings erfordert sie einen längeren Zeitraum und disziplinierte Teilnahme, um brauchbare Ergebnisse zu erzielen. Wenn die Auswertung nicht organisiert erfolgt, kann das Notizmaterial unübersichtlich bleiben oder ohne Wirkung bleiben.

15. Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Anwendung

  1. Fragestellung oder Aufgabenstellung klar formulieren und notieren.
  2. Teilnehmende auswählen und über den Ablauf informieren.
  3. Ein Notizbuch (physisch oder digital) vorbereiten und mit Einstiegsseiten versehen.
  4. Start der Sammlung: Jede/r Teilnehmende schreibt über den definierten Zeitraum regelmäßig Ideen oder Gedanken nieder.
  5. Das Notizbuch wird nach festgelegtem Rhythmus weitergegeben oder zugänglich gemacht.
  6. Teilnehmende ergänzen eigene oder fremde Einträge (optional) und nutzen Zeiten der Inspiration.
  7. Am Ende der Sammlung: Alle Einträge werden zusammengeführt und lesbar gemacht.
  8. Gemeinsame Auswertungssitzung: Einträge sichten, kategorisieren, priorisieren.
  9. Auswahl der vielversprechendsten Ideen und Ableitung von nächsten Schritten.
  10. Ergebnisse dokumentieren und Verantwortlichkeiten für Umsetzung definieren.

16. Anwendungsbeispiel 1 (praktische Durchführung)

Ein internationales Entwicklungsteam erhält die Fragestellung: „Welche drei neuen Serviceangebote könnten wir innerhalb eines Jahres entwickeln?“ Über drei Wochen nutzen die Teammitglieder ein geteiltes Online-Notizbuch. Jeder trägt ein bis zwei Ideen pro Woche ein, ergänzt Gedanken anderer, wenn sie inspiriert werden. Am Ende werden in einem gemeinsamen Online-Meeting sämtliche Einträge kategorisiert. Aus den gesammelten Ideen entstehen sechs konkrete Vorschläge, die zur Priorisierung und Weiterverfolgung ausgewählt werden.

17. Anwendungsbeispiel 2 (praktische Durchführung)

Ein mittelständisches Unternehmen mit Schichtbetrieb nutzt die Methode zur Sammlung von Verbesserungsimpulsen im Fertigungsbereich. Zwei Notizbücher gehen durch die Schichten (Früh-, Spät, Nacht) über vier Wochen. Mitarbeitende tragen Vorschläge ein („Wie können wir Rüstzeiten reduzieren?“). Nach Ablauf werden die Bücher gesammelt und in einem Workshop ausgewertet. Drei Maßnahmen zur Effizienzsteigerung werden beschlossen und Pilotverantwortliche bestimmt.

18. Fazit und abschließende Bewertung

Die Collective-Notebook-Methode ist ein flexibles, wenig präsenzabhängiges Werkzeug zur Ideensammlung – besonders geeignet für dezentrale Teams oder lange Inspirationszeiträume. Sie ermöglicht eine breite und unterschiedliche Beteiligung und nutzt die Ruhephasen individueller Arbeit. Gleichzeitig verlangt sie Disziplin, Moderation und Nachbereitung, damit die gesammelten Gedanken zu wirksamen Ergebnissen werden. Wer diese Voraussetzungen erfüllt, erhält eine wertvolle Ergänzung zur klassischen Kreativitätsarbeit.

Quellenliste

  1. Collective notebook method – IdeaClouds. (o. J.). IdeaClouds (ideaclouds.net)
  2. “Collective notebook” – Innovation Wiki by Verrocchio Institute. (o. J.). Innovation Wiki (Innovation Wiki by verrocchio Institute)
  3. Collective-Notebook – Wikipedia (deutsch). (o. J.). Wikipedia (Wikipedia)
  4. 100 Teaching Methods: Collective Notebook | Phyx.at. (o. J.). Phyx.at (phyx.at)
  5. Creativity techniques: Collective Notebook – Eology. (o. J.). Eology (eology online marketing agency)

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