Creativ Problem Solving

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Creativ Problem Solving

1. Kurze Beschreibung der Methode

Die Creative Problem Solving-Methode (CPS) ist ein strukturierter Ansatz zur kreativen Bearbeitung von Herausforderungen, bei dem zunächst das Problem genauer definiert und Daten gesammelt werden, anschließend viele Ideen generiert und schließlich konkrete Lösungen entwickelt sowie ein Umsetzungsplan erstellt wird.

2. Entstehungsgeschichte der Technik (Personen, Organisationen, Jahreszahlen)

Der Ursprung von CPS reicht in die 1940er und 1950er Jahre zurück. Alex Osborn, ein US-Werbeexperte, veröffentlichte 1953 das Buch Applied Imagination, in dem er das Konzept der kreativen Problemlösung beschrieb. Zusammen mit Sidney J. Parnes baute er in den 1950er und 1960er Jahren das Modell der Creative Problem Solving weiter aus. Über die folgenden Jahrzehnte entwickelten Forscher wie Scott G. Isaksen und K. Brian Dorval Versionen wie CPS 6.1.

3. Hintergrund und Kontext der Methode

CPS entstand im Kontext von Werbe- und Kreativagenturen, in denen Osborn tätig war, um systematisch neue Ideen für Kampagnen zu erzeugen. Schnell wurde klar, dass der Ansatz allgemein auf viele Problem- und Innovationssituationen übertragbar ist. Heute wird CPS sowohl in Bildung, Wirtschaft als auch in öffentlichen Organisationen eingesetzt. Es gilt als ein Kernmodell der kreativen Methoden und basiert auf der Unterscheidung von divergierendem (viele Möglichkeiten) und konvergierendem (Auswahl, Bewertung) Denken.

4. Ziel der Methode

Das Ziel von CPS ist, eine Herausforderung so zu bearbeiten, dass die Beteiligten – individuell oder im Team – auf kreative, neuartige und nützliche Lösungsansätze kommen und diese anschließend in eine konkrete Umsetzung überführen. Dabei sollen nicht nur einfache Lösungen gefunden werden, sondern Optionen, die über das Gewohnte hinausgehen.

5. Grundprinzip der Methode

Das Grundprinzip besteht darin, einen klaren Prozessrahmen bereitzustellen, der abwechselnd divergente und konvergente Phasen enthält: Erst möglichst viele Daten sammeln und Ideen erzeugen (divergent), danach selektieren, strukturieren und umsetzen (konvergent). Der Ablauf verläuft typischerweise über die Phasen: Problemverständnis → Ideenbildung → Lösungs- und Umsetzungsplanung.

6. Anwendungsbereiche der Methode

  • Innovations- und Kreativworkshops in Unternehmen
  • Strategie- und Geschäftsmodellentwicklung
  • Produkt- und Dienstleistungsdesign
  • Veränderungs- und Transformationsprozesse in Organisationen
  • Bildungs- und Trainingskontexte zur Förderung von Kreativität

7. Eignung der Methode

  • Ideenfindung: Ja
  • Problemlösung: Ja
  • Entscheidungsfindung: Ja

8. Dauer der Anwendung

Die Anwendung kann von kurzen Sessions von etwa 2–4 Stunden bis hin zu mehrtägigen Workshops (1–3 Tage oder länger) reichen, abhängig von Umfang und Komplexität der Herausforderung.

9. Empfohlene Teilnehmerzahl

  • Kleine Teams: 4–8 Personen – gut für intensives Arbeiten
  • Mittlere Gruppen: 8–20 Personen – mit Untergruppen möglich
  • Einzelanwendung ist denkbar, aber der kollaborative Mehrwert entfällt

10. Benötigte Materialien und Umgebung

  • Flipcharts, Whiteboards, Pinnwände
  • Moderationsmaterialien: Marker, Post-its, Klebepunkte
  • Timer oder Ablaufplan für die Phasen
  • Raum mit Gruppenarbeits- und Plenumsflächen
  • ggf. digitale Tools (z. B. Online-Whiteboards) für remote/Seminarbetrieb

11. Zu beachtende Regeln bei der Anwendung

  • Zuerst divergieren (viele Ideen), erst danach konvergieren (bewerten)
  • Keine Bewertung in der Ideenphase – Freiraum für ungewöhnliche Gedanken
  • Klare und gemeinsam verstandene Problemformulierung als Ausgangspunkt
  • Moderation sicherstellen, damit der Prozess zielgerichtet bleibt
  • Ergebnisse dokumentieren und in konkrete Umsetzung überführen

12. Vorteile der Methode

  • Strukturierter Rahmen für kreative Prozesse
  • Fördert systematisch neue Ideen und Lösungsansätze
  • Wechselt bewusst zwischen kreativer Exploration und gezielter Umsetzung
  • Adaptierbar auf viele Kontexte und sowohl für Gruppen als auch Einzelpersonen
  • Kann die Beteiligung und das Commitment der Teilnehmenden erhöhen

13. Nachteile der Methode

  • Moderation und Aufwand können hoch sein
  • Falsche oder zu frühe Bewertung kann Ideenfluss blockieren
  • Wenn das Problem nicht gut formuliert ist, geraten die Ergebnisse ins Leere
  • Es besteht die Gefahr, dass Ergebnisse nicht umgesetzt werden, wenn Planung fehlt

14. Ausführliche Beschreibung der Methode

Die Creative Problem Solving-Methode (CPS) stellt einen klaren, aber flexiblen Prozess zur Bewältigung von Herausforderungen dar, bei dem Kreativität gezielt strukturiert wird. Zunächst wird die Herausforderung oder Frage definiert – was soll erreicht bzw. geändert werden? Anschließend werden relevante Daten gesammelt und analysiert, um den Kontext und die Kernprobleme zu verstehen (“Fact-Finding”). Dann wird das Problem umformuliert und präzisiert (“Problem-Finding”), etwa indem die eigentliche Ursache oder ein neuer Blickwinkel herausgearbeitet wird.

Im nächsten Schritt folgt die Ideenphase (“Idea-Finding”): Teilnehmer generieren möglichst viele, möglichst unterschiedliche Ideen – divergentes Denken steht im Vordergrund. Danach wird in der Lösungsphase (“Solution-Finding”) ausgewertet, selektiert und die besten Ideen werden weiterentwickelt – konvergentes Denken ist hier zentral. Schließlich erfolgt die Umsetzungs- und Aktionsplanung (“Acceptance-Finding” oder „Plan for Action“): Wer macht was bis wann? Was sind Hindernisse und wie gehen wir damit um? Dieser letzte Schritt sichert, dass Ideen nicht nur entwickelt, sondern auch realisiert werden.

Ein zentrales Merkmal von CPS ist die bewusste Abfolge von Divergenz und Konvergenz: In jeder Phase wird zunächst offen gedacht, dann gefiltert. Diese rhythmische Wechselwirkung ermöglicht kreative Vielfalt, zugleich aber auch fokussierte Umsetzung. Zudem bietet CPS einen modularen Ansatz: Je nach Situation kann eine Gruppe einzelne Schritte überspringen oder wiederholen – der Prozess ist kein starres Korsett, sondern ein adaptives Modell.

15. Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Anwendung

  1. Herausforderungs- oder Zieldefinition (Was will ich erreichen?)
  2. Sammlung von Daten und Fakten zur Situation (Welches Umfeld und welche Faktoren spielen mit?)
  3. Problemklärung oder Neuperspektive (Welches Problem zeigt sich wirklich?)
  4. Ideengenerierung (Viele Ideen ohne Bewertung entwickeln)
  5. Bewertung und Auswahl von Ideen (Welche Ideen sind vielversprechend?)
  6. Ausarbeitung und Verbesserung ausgewählter Ideen (Wie wird die Idee konkret?)
  7. Umsetzungs­planung (Wer, was, bis wann?)
  8. Implementierung und Monitoring (Wie läuft die Umsetzung? Welche Anpassungen nötig?)

16. Anwendungsbeispiel 1 (praktische Durchführung)

Ein Mittelstandsunternehmen möchte den Kundendienst effizienter gestalten. Zunächst wird das Ziel („Besserer Kundendienst“) definiert, dann gesammelt („Wie lange dauern die Chats? Wie viele Rückfragen?“). Das Kernproblem wird formuliert („Die Bearbeitung dauert zu lange“). Ideenphase bringt z. B. Chatbots, Hotline-Optimierung, Trainingsprogramme. In der Bewertungsphase wird „Chatbot + automatisiertes FAQ“ als Favorit gewählt. Dann wird ein konkreter Umsetzungsplan erarbeitet: Verantwortlich, Budget, Zeitrahmen, Pilotphase. Nach Start werden Ergebniskennzahlen überwacht und ggf. nachjustiert.

17. Anwendungsbeispiel 2 (praktische Durchführung)

Ein städtisches Planungsamt stellt sich die Frage „Wie kann innerstädtische Mobilität nachhaltiger gestaltet werden?“ Daten werden gesammelt: Verkehrszahlen, Emissionen, Nutzerbefragung. Problemformulierung lautet: „Zu viele PKW-Fahrten im Zentrum“. Ideen werden gesammelt: Carsharing, Fahrradnetz, E-Scooter-Leihe, Verkehrsberuhigung. Bewertung gibt Carsharing + Fahrradnetz als erste Maßnahme. Umsetzungsplanung folgt mit Pilotgebiet, Zeitplan, Budget und Evaluierung. Nach Umsetzung wird der Erfolg gemessen und der Prozess ggf. wiederholt.

18. Fazit und abschließende Bewertung

Die Creative Problem Solving-Methode ist ein sehr wertvolles Werkzeug für Organisationen und Teams, die Herausforderungen nicht mit Standardlösungen angehen wollen, sondern kreative, neue Wege suchen. Ihre Stärke liegt in der Verbindung von Kreativität und Struktur: Sie fördert Vielfalt und Innovation, trägt aber gleichzeitig Sorge dafür, dass daraus realistische Umsetzungen entstehen. Voraussetzung ist eine gute Moderation, eine klare Problemdefinition und ein Commitment zur Umsetzung. Wer diese Aspekte beachtet, erhält mit CPS ein wirkungsvolles Instrument für Ideen-, Lösungs- und Entscheidungsprozesse.

Quellenliste

  1. Creative Problem-Solving Process – A Quick History. Big Bang Partnership, o. J. https://bigbangpartnership.co.uk/creative-problem-solving-process-a-quick-history/ (The Big Bang Partnership)
  2. What is CPS? | Creative Education Foundation (CEF), o. J. https://www.creativeeducationfoundation.org/what-is-cps/ (creativeeducationfoundation.org)
  3. Creative Problem Solving – Innovation Wiki by Verrocchio Institute, o. J. https://www.innovation.wiki/en/method/creative-problem-solving/ (Innovation Wiki by verrocchio Institute)
  4. Creative Problem Solving – Wikipedia, o. J. https://en.wikipedia.org/wiki/Creative_problem-solving (Wikipedia)
  5. Creative Problem Solving (CPS Version 6.1) – Isaksen, Dorval, Treffinger, 2000. (via ResearchGate) (ResearchGate)

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