
1. Kurze Beschreibung der Methode
TRIZ (russisch: Teorija Reschenija Isobretatelskich Sadač, deutsch: Theorie des erfinderischen Problemlösens) ist eine systematische Innovationsmethode, die kreative Lösungen durch die Analyse und Anwendung universeller Erfindungsprinzipien ermöglicht. Sie identifiziert wiederkehrende Muster in erfolgreichen Erfindungen und überträgt diese auf neue Problemstellungen.
2. Entstehungsgeschichte der Technik
TRIZ wurde ab 1946 vom sowjetischen Ingenieur und Wissenschaftler Genrich Saulowitsch Altschuller (1926–1998) entwickelt. Während seiner Arbeit im Patentamt der UdSSR analysierte er über 200.000 Patente und stellte fest, dass viele bahnbrechende Innovationen auf ähnlichen Prinzipien beruhen.
Altschuller systematisierte diese Erkenntnisse in den 1950er-Jahren und veröffentlichte sie in mehreren Stufen. In den 1970er- und 1980er-Jahren verbreitete sich TRIZ international und wurde zu einem der einflussreichsten Werkzeuge für technisches und organisatorisches Innovationsmanagement.
3. Hintergrund und Kontext der Methode
TRIZ entstand in der sowjetischen Ingenieurwissenschaft als Reaktion auf die ineffiziente, zufällige Ideenfindung. Altschuller erkannte, dass kreative Prozesse regelbasiert analysiert und reproduziert werden können.
Die Methode baut auf der Annahme auf, dass technische Systeme sich nach Gesetzmäßigkeiten entwickeln und dass die Lösung technischer Widersprüche zu bahnbrechenden Innovationen führt.
Heute wird TRIZ weltweit in Industrie, Forschung und Entwicklung, Design Thinking und Lean-Innovation-Prozessen angewendet.
4. Ziel der Methode
Ziel der TRIZ-Methode ist es, innovative Lösungen systematisch zu erzeugen, indem sie den kreativen Prozess rationalisiert. Sie hilft, technische oder organisatorische Widersprüche zu überwinden, Innovationen zu beschleunigen und Zufallseinflüsse zu reduzieren.
5. Grundprinzip der Methode
Das Grundprinzip von TRIZ besteht darin, Widersprüche im System zu identifizieren und aufzulösen, statt sie zu vermeiden oder zu kompromittieren.
Ein Widerspruch entsteht, wenn eine Verbesserung eines Parameters (z. B. Stabilität) eine Verschlechterung eines anderen (z. B. Gewicht) bewirkt.
TRIZ bietet Werkzeuge wie:
- 40 Erfindungsprinzipien (z. B. Segmentierung, Umkehrung, Dynamik),
- die Widerspruchsmatrix,
- das Konzept der Idealität (maximaler Nutzen bei minimalem Aufwand),
- und Entwicklungsgesetze technischer Systeme.
6. Anwendungsbereiche der Methode
- Produkt- und Prozessentwicklung
- Ingenieurwesen und Maschinenbau
- IT, Softwareentwicklung, Organisation
- Qualitätsmanagement und Lean Production
- Forschung und Patentstrategien
- Innovationsmanagement und Technologieprognose
7. Eignung der Methode
- Ideenfindung: Ja
- Problemlösung: Ja
- Entscheidungsfindung: Ja
8. Dauer der Anwendung
- Einfache TRIZ-Analyse: 2–4 Stunden
- Workshop oder komplexes Projekt: 1–3 Tage
- Vertiefte Systemanalyse: bis zu mehreren Wochen
9. Empfohlene Teilnehmerzahl
- Optimal: 3–8 Personen (interdisziplinäres Team)
- Auch als Einzelmethode anwendbar
10. Benötigte Materialien und Umgebung
- TRIZ-Handbuch oder Software (z. B. MATRIZ, CREAX, Goldfire)
- Flipcharts, Whiteboards oder digitale Tools
- Moderationskarten
- Zugang zu relevanten Produkt- und Prozessdaten
11. Zu beachtende Regeln bei der Anwendung
- Probleme als Widersprüche formulieren, nicht als Defizite.
- Keine vorschnellen Lösungsansätze – erst Analyse, dann Prinzipienwahl.
- Nutzung der TRIZ-Matrix als Leitfaden, nicht als starres Schema.
- Ungewöhnliche Prinzipien zulassen und hinterfragen.
- Ergebnisse dokumentieren und bewerten.
12. Vorteile der Methode
- Systematischer Zugang zu Innovationen.
- Reduziert Zufall und Improvisation.
- Wiederverwendbare Prinzipienbasis.
- Kombination aus Analyse und Kreativität.
- Weltweit erprobte, wissenschaftlich fundierte Methode.
13. Nachteile der Methode
- Hohe Lernkurve – methodisches Verständnis nötig.
- Gefahr der Überformalität bei untrainierten Teams.
- Weniger geeignet für emotionale oder ästhetische Fragestellungen.
- Benötigt technisches oder analytisches Denken.
14. Ausführliche Beschreibung der Methode
Die TRIZ-Methode basiert auf der systematischen Untersuchung technischer Innovationen, um wiederkehrende Muster und Prinzipien zu identifizieren, die zu bahnbrechenden Lösungen führen.
Im Zentrum steht die Erkenntnis, dass Innovationen nicht zufällig entstehen, sondern sich aus gesetzmäßigen Entwicklungslinien technischer Systeme ableiten lassen.
TRIZ betrachtet jedes Problem als ein System von Widersprüchen – beispielsweise zwischen Stabilität und Flexibilität, Leistung und Energieverbrauch oder Sicherheit und Kosten.
Anstatt Kompromisse zu suchen, zielt TRIZ darauf ab, diese Widersprüche auf höherer Ebene aufzulösen – durch kreative, aber logisch ableitbare Prinzipien.
Beispielsweise kann der Widerspruch „stabil, aber leicht“ durch das Prinzip der Hohlstrukturen (Prinzip 31) oder „dynamische Anpassung“ gelöst werden.
Das Denken in „Idealsystemen“ (maximaler Nutzen, minimaler Aufwand) lenkt den Fokus auf effiziente und elegante Lösungen.
TRIZ bietet Werkzeuge zur Analyse, Ideengenerierung und Bewertung:
- die Widerspruchsmatrix (20 × 39 technische Parameter),
- 40 Innovationsprinzipien,
- Standardlösungen,
- Gesetze der technischen Evolution,
- und ARIZ – den Algorithmus des erfinderischen Problemlösens.
Dadurch kann TRIZ sowohl zur systematischen Ideengenerierung als auch zur strategischen Innovationsplanung eingesetzt werden.
15. Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Anwendung
- Problemdefinition: Beschreibe das Problem in technischer oder organisatorischer Form.
- Widerspruch identifizieren: Bestimme, welche Parameter sich gegenseitig behindern.
- Widerspruchsmatrix nutzen: Suche in der TRIZ-Matrix passende Erfindungsprinzipien.
- Prinzipien anwenden: Entwickle auf Basis der vorgeschlagenen Prinzipien mehrere Lösungsideen.
- Bewertung: Prüfe die Ideen auf Machbarkeit, Wirtschaftlichkeit und Innovation.
- Auswahl und Umsetzung: Wähle die vielversprechendsten Ideen aus und entwickle sie weiter.
- Reflexion: Überprüfe, ob neue Widersprüche entstanden sind und wiederhole den Zyklus ggf.
16. Anwendungsbeispiel 1 (praktische Durchführung)
Problem: Eine Maschine soll stabiler werden, ohne an Beweglichkeit zu verlieren.
- Widerspruch: Stabilität ↑ → Beweglichkeit ↓.
- Anwendung TRIZ-Matrix: Empfehlung – Prinzip 15 „Dynamik“ und Prinzip 3 „Lokale Qualität“.
- Idee: Flexible Verbindungselemente, die sich nur bei Belastung versteifen.
- Ergebnis: Entwicklung eines Gelenks mit viskoelastischem Material, das situativ reagiert.
17. Anwendungsbeispiel 2 (praktische Durchführung)
Problem: Verpackungen sollen robuster sein, aber gleichzeitig weniger Material verbrauchen.
- Widerspruch: Haltbarkeit ↑ → Materialeinsatz ↑.
- TRIZ-Matrix liefert: Prinzip 1 „Segmentierung“ und Prinzip 40 „Verbundwerkstoffe“.
- Idee: Verwendung von Wabenstrukturen oder Luftkammern.
- Ergebnis: Entwicklung einer leichten, stoßfesten Verpackung mit geringem Materialverbrauch.
18. Fazit und abschließende Bewertung
Die TRIZ-Methode ist eine der leistungsfähigsten Kreativitätstechniken für technische und systemische Problemlösungen.
Sie verbindet wissenschaftliche Analyse mit kreativer Denklogik und ermöglicht es, Innovationen gezielt und reproduzierbar zu entwickeln.
Obwohl sie eine gewisse methodische Einarbeitung erfordert, liefert sie tiefgreifende Einsichten und Lösungen, die oft über konventionelles Denken hinausgehen.
TRIZ ist daher besonders geeignet für Unternehmen, die Innovation strategisch, systematisch und wiederholbar gestalten möchten – ein unverzichtbares Werkzeug moderner Ingenieurskunst und Innovationsstrategie.
Quellenliste
- Altschuller, G. S. (1984): Erfinden – Wege zur Lösung technischer Probleme. Verlag Technik, Berlin.
- Altshuller, G. S. (1988): Creativity as an Exact Science. Gordon and Breach Science Publishers, New York.
- Terninko, J.; Zusman, A.; Zlotin, B. (1998): Systematic Innovation: An Introduction to TRIZ Methodology of Inventive Problem Solving. CRC Press.
- Mann, D. (2002): Hands-On Systematic Innovation. CREAX Press.
- TRIZ Journal (2024): Global Resources on Systematic Innovation. https://www.triz-journal.com


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